Bedeutung des Essens

Das Schönheitsideal

In unserer Zeit und in unserer Gesellschaft gaukeln uns die Medien ein Schönheitsideal vor, das vollkommen unrealistisch ist. Eine kleine Minderheit extrem schlanker Frauen wandert über Laufstege und führt dem Publikum Mode vor, die für den Otto-Normal-Verbraucher nicht geeignet ist. Schlank ist schön! Sehr schlank ist sehr schön! Diese Sätze bekommen wir immer wieder zu hören. Junge Menschen wachsen damit auf, in der Schule wird aufs härteste gehänselt, wer etwas dicker ist (Kinder können so grausam sein!).

Als ob das nicht genug wäre, entsteht immer mehr Aufmerksamkeit für das Thema Übergewicht, dass besonders bei Kindern durch Bewegungsmangel immer weiter um sich greift.

Wir wachsen mit diesen Vorstellungen auf und vergessen ob dieser Beeinflussung von außen vollkommen, was eigentlich wichtig ist: Jeder Körper ist ein Individuum. Jeder Körper fühlt sich anders (an).

Wenn man bedenkt, dass nur 8 % aller Frauen weltweit in Kleidergröße 38 passen - sollte einem das nicht zu denken geben? Dabei ist bereits heute ein normales Essverhalten die Ausnahme. Diäten (es gibt ca. 500, die als gängig gelten!!!) gehören längst zum Alltag. Anstatt das Essen zu genießen, bestimmen Kalorienangaben, was wir essen und die Waage sagt uns, ob wir satt sind. Statistiken zufolge haben 50 - 80 Prozent aller Frauen ein massives Problem mit Ihrem Gewicht! Tendenz: steigend!

Die Gesellschaft übt einen sehr großen Druck auf jeden Menschen aus, der nicht dem Idealbild, das in den Medien permanent präsent ist, entspricht. Dabei ist es völlig egal, ob man zu dick oder zu dünn, zu groß oder zu klein (für sein Gewicht) ist. Nicht dem Idealbild entsprechend wird gleichgesetzt mit "nicht normal"

Den Schein wahren

Dieser immense Druck, den die Gesellschaft auf den Menschen ausübt, bewirkt bei vielen Menschen, dass sie versuchen, nach außen ein möglichst perfektes, der Norm und damit dem anstrebenswerten Idealbild entsprechendes Verhalten und Aussehen an den Tag zu legen.

Menschen, die ein deutlich nicht mehr als normal zu erkennendes Essverhalten entwickelt haben, haben nur eine Wahl, wenn sie in dieser Gesellschaft bestehen wollen: Sie müssen sich hinter einer Fassade verstecken. Doch die Angst vor kritischen Fragen bleibt.

"Damit die anderen nicht merken, wie unvollkommen ich bin, gebe ich mich perfekt und stark." So werde ich unangreifbar.

Für Menschen, die hinter einer solchen Fassade leben (müssen), entwickelt sich die Rolle, die sie spielen, zu einem Teil Ihrer Persönlichkeit. Sie wird zur zweiten Natur. Diese Menschen können dann nicht mehr einfach so aus ihrer Rolle raus.

Nach außen funktioniert alles wunderbar und man wahrt den Anschein, es sei alles in Ordnung. Aber in Wirklichkeit isoliert sich ein solcher Mensch immer mehr, igelt sich mit seinen Problemen in sich selbst ein. Früher oder später kommt aber bei Essproblemen zu dieser inneren Isolation die äußere hinzu, denn beim Essen findet auch eine Vielzahl von Kontakten statt.

Zu wissen, dass man möglicherweise den angebotenen Speisen nicht widerstehen kann, baut eine Angst auf, durchschaut zu werden, unvollkommen zu wirken und verletzbar zu werden. Diese Angst schließlich erschwert soziale Kontakte. Man steht auf einmal ziemlich allein da!

Normales Essverhalten

Was ist normal? Was bedeutet es, normal zu essen? Bei größeren Veranstaltungen, Familienfeiern, Betriebsfesten und zahlreichen anderen Gelegenheiten wird oft gut getafelt. Isst man auf solch einer Veranstaltung zuviel, fällt man auf. Isst man nichts oder zuwenig, fällt man auch auf. Völlerei ist fast "normal", 4 Gänge keine Seltenheit.

Im Alltag dagegen ist eher Askese angesagt. Diäten und Patentrezepte bestimmten immer öfter die Titelblätter diverser (Frauen-)Magazine, ein schlanker sportlicher Körper gilt als "muss", will man dazugehören. Wer isst (!) heute noch normal?

Die wenigsten wissen, was das bedeutet. Die Mehrheit (besonders der Frauen) führt Ihren Körper auf der Suche nach dem Wunschgewicht und der Traumfigur solange an der Nase herum, bis dieser gar nicht mehr weiß, wann er Hunger hat und wann er satt ist. Und wenn der natürliche Rhythmus einmal durcheinander kommt - dann sind Figurprobleme vorprogrammiert. Die einen nehmen zu, andere beginnen zu hungern.

Ein Kreislauf beginnt...

Die Bedeutung des Essens im Alltag

Essen - eigentlich etwas Alltägliches. Es kommt immer wieder und auf den ersten Blick ist es die natürlichste Sache der Welt. Essen ist ein grundlegendes Bedürfnis der Menschen. Und doch werden so viele Dinge mit dem Essen verbunden.

Sinnlicher Genuss, Wohlbefinden... Die Menschheit verbindet sehr viele unterschiedliche Gefühle mit dem Essen. Redewendungen wie "Ich habe dich zum Fressen gern" und "Es kotzt mich an" oder "So einfach lasse ich mich nicht abspeisen" belegen dies auf anschauliche Art. Essen gehört außerdem zum Zusammenleben. Viele Paare legen erhöhten Wert darauf, wenigstens die Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen.

Auch der Kuss, der ja heutzutage eine reine Zärtlichkeit dem Partner gegenüber darstellt, hat sich aus der Nahrungsaufnahme heraus entwickelt. Früher - und bei einigen Naturvölkern wird das heute noch praktiziert - kauten die Eltern das Essen vor und verabreichten es dem Nachwuchs mittels Mund-zu-Mund-Transfer mit einem Kuss. So zeigt sich auch hier, wie eng Essen und Gefühle beieinander liegen.

Säuglinge sammeln erste wichtige Erfahrungen bei der Nahrungsaufnahme. Füttern bedeutet für sie Zuneigung. Sie lernen erst später, diese beiden Grundbedürfnisse voneinander zu unterscheiden. Und natürlich auch nur dann, wenn die Eltern aufmerksam die kindlichen Bedürfnisse beobachten und nicht bei jedem Schrei gleich zur Flasche (mit Babybrei) greifen.

Doch auch, wenn diese Entwicklung gut verläuft und die Kinder den Unterschied lernen, können sie als Erwachsene Situationen beschreiben, in denen Essen und Gefühle eng miteinander verbunden sind. Manchen schlägt Stress "auf den Magen", es "geht nichts mehr runter", wieder andere "stopfen sich" gerade dann "den Bauch voll" und setzen "Kummerspeck" an.

Dieses gestörte Essverhalten geht normalerweise mit dem Problem einher. Ist das Problem gelöst, verschwindet die Störung wieder. Doch bei einer Vielzahl dieser Menschen festigt sich die Störung zu einem Krankheitsbild - der Ess-Störung. Betroffen sind oft Frauen, aber auch immer mehr Männer. Ihnen geht die Freiheit, sich angemessen zu ernähren, verloren.

Neben den persönlichen Problemen steht hier auch wieder das Schönheitsideal im Vordergrund. In den westlichen Industrienationen besteht ein "kollektives Werturteil", wonach Schlanksein für die meisten Menschen zur universellen Idealvorstellung geworden ist. Eine schlanke Figur wird gleichgesetzt mit Schönheit und Attraktivität.

Für die meisten Frauen bedeutet dieses Schönheitsideal ein massives Gewichtsproblem. Sie setzen sich selbst auf Diät und achten darauf, möglichst schnell möglichst viel abzunehmen. Unbewusst kann eine Diät so zum ersten Einstieg in eine Ess-Störung werden. Allerdings sind Gewichtsprobleme nicht unbedingt gleichzusetzen mit Essproblemen.

 

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