...raus aus dem Kreislauf!

Für Menschen mit gesundem Essverhalten ist die "private Hölle" der Erkrankten kaum vorstellbar. Für etwas Normales und Alltägliches wie Essen und Trinken ist die Kontrolle nicht mehr gegeben, ein genussvoller Umgang zunächst nicht mehr möglich!

Doch es gibt auch aus diesem Kreislauf einen Ausweg. Bei Ess-Störungen handelt es sich um schwere Störungen des seelischen Gleichgewichts. Eine Behandlung kann in Form einer Psychotherapie erfolgen. Andere Behandlungsmethoden finden sich jedoch auch in der klassischen Homöopathie.

Was bedeutet Psychotherapie?

Eigentlich meint Psychotherapie nichts anderes, als das Wiederherstellen des seelischen Gleichgewichts. Die innere Kommunikation im Menschen zu korrigieren. Dies geht am besten mit Mitteln der äußeren Kommunikation. In regelmäßigen Gesprächen erhält der Betroffene Denkanstöße, Unterstützung und Anleitungen, um sein Problem zu lösen. Psychotherapie bedeutet, die bisherigen Denkweisen kennen zu lernen, zu überprüfen und ggf. zu ändern. Das hört sich einfach an...ist es aber natürlich nicht. Ich habe selbst eine lange Therapie hinter mir - das war phasenweise eine verdammt harte Zeit!

Der Sprung ins kalte Wasser - was kann ich als Betroffene(r) tun?

Von sich aus etwas tun: Jemanden finden, dem man sich anvertrauen kann, einmal Schluss mit den Heimlichkeiten machen - ein solcher Schritt erfordert Mut, Überwindung und einen Vorschuss an Vertrauen. Er fällt auch dann noch schwer, wenn der Leidensdruck, das Maß der Verzweiflung, schon unerträglich ist. Aber es ist die einzige Chance, irgendwann mit den Essproblemen fertig zu werden. Wer selbst passiv bleibt, dem kann niemand helfen. Denn ohne freiwillige und aktive Mitarbeit ist die Überwindung und Bewältigung gestörten Essverhaltens nicht möglich.

Veränderungen durch Therapie

Obwohl bei der Ess-Störungs-Symptomatik Anteile süchtigen Verhaltens zu finden sind und der Begriff Sucht gebraucht wird, kann für die Behandlung nicht das Suchtkonzept übernommen werden. Ein ganz wesentlicher Unterschied zur Tablettensucht, Alkoholismus und zur Drogensucht besteht darin, dass es keine Abstinenzregel geben kann, da es ja nicht möglich ist, auf das Essen zu verzichten.

Im Laufe der Jahre hat sich aber das Angebot mit speziellen Konzepten und Hilfsmöglichkeiten für Essgestörte erweitert. Es gibt Beratungsstellen für Ess-Störungen und Spezialabteilungen in psychosomatischen Kliniken und Suchtkliniken. Darüber hinaus gibt es Suchtberatungsstellen, freie Praxen und fast in jeder Stadt Selbsthilfegruppen, an die sich Betroffene wenden können.

Wichtigste Voraussetzung ist die Bereitschaft, eine Unterstützung von außen anzunehmen. Mit anderen Worten: Betroffene müssen sich der eigenen Krankheit bewusst stellen und Hilfe von außen annehmen können. In einem Informationsgespräch besteht die Möglichkeit, für sich zu klären, welche Einrichtung ihnen angemessen erscheint; ob z.B. eine klinische oder eine ambulante Betreuung in Frage kommt. Je nach Einrichtung besteht die Möglichkeit, Einzel-, Gruppen-, Familien- oder Paartherapie/-beratung zu nehmen. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie keine schnellen Erfolge versprechen können. Eine oft langjährig bestehende Symptomatik kann eben nicht in kurzer Zeit behoben werden.

Als Therapieerfolge können beispielsweise folgende Veränderungen eintreten: Das Leben dreht sich nicht mehr ausschließlich um Essen oder Nicht-Essen. Das Selbstwertgefühl hat sich so weit stabilisiert, dass es nicht mehr allein vom Körpergewicht abhängig ist. Hungergefühle und Gefühle des Sattseins werden wahrgenommen. Der eigene Körper wird als zu-sich-selbst-gehörend angenommen. In Problemsituationen wird Ärger und Wut auch einmal ausgedrückt, statt diese Gefühle "wegzuessen". Rückfälle in Krisensituationen können akzeptiert werden.

Der Weg aus der Isolation

Neben der Möglichkeit, sich professionelle Hilfe zu suchen, gibt es auch die Möglichkeit, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen oder selbst eine Gruppe zu gründen. Besondere Voraussetzungen sind dafür nicht erforderlich. Es gibt jedoch bestimmte Regeln, die eingehalten werden sollten. Für viele Beteiligte bedeutet die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe, aus Isolation und Heimlichkeit herauszutreten und im Kontakt mit anderen Betroffenen Verständnis für die eigene Problematik zu erfahren. Voraussetzung ist auch hier, die Verantwortung für sich selbst und die eigenen Handlungen übernehmen zu wollen.

Vertrauen ist der erste Schritt zur Hilfe

Angehörige und Freunde sollten wissen, dass es wenig Sinn hat, Betroffene zur Beratung und Behandlung zu zwingen. Genauso wenig hilfreich ist es, die Augen vor der Ess-Störung zu verschließen. Ein offenes und ehrliches Gespräch mit einer guten Freundin oder einer anderen vertrauten Person kann der erste Schritt für Betroffene sein, sich konkrete Hilfsangebote zu suchen. Auch die Angehörigen selbst haben die Möglichkeit, sich an Beratungsstellen oder andere Einrichtungen zu wenden und z.B. im Rahmen von Familiengesprächen die Betroffenen zur Selbstverantwortung zu motivieren.

 

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