Aleeshas Geschichte
Teil 1: Kindheit

An meine frühe Kindheit habe ich nur sehr wenige Erinnerungen - die meisten stammen eher von Fotos. Aber ich war offenbar nicht unglücklich - das bestätigen die Bilder.

Irgendwie ist vieles aus der frühesten Kindheit weg. Ich weiß noch, das ich mich viel mit meinem Bruder gezankt habe, weil ich partout mit seinen Autos und seiner Eisenbahn, aber nicht mit meinen Puppen spielen wollte *g*. In dieser Hinsicht muss ich meine Mutter ziemlich enttäuscht haben. Sie hatte sich ein Mädchen gewünscht, das Schleifen im Haar trug und zum Ballettunterricht ging. Ich dagegen spielte lieber Fußball auf der Straße.

Als ich 5 oder 6 Jahre alt war, war ich allein mit meinem Bruder und meinem Vater. Es klingelte an der Tür und ich sah in meinem Leben zum ersten Mal Polizisten zuhause. Leider nicht zum letzten Mal. Diese Polizisten teilten meinem Vater mit, dass meine Mom einen Unfall gehabt hätte und im Krankenhaus läge. Es war ein sehr schwerer Unfall, aber sie hat ihn glücklicherweise überlebt.

Ich weiß bis heute nicht, wie sich das damals alles wirklich ereignet hat, da die Version, die mir meine Mutter erzählt hat, sich deutlich von der meines Vaters unterscheidet. Meine Mutter hatte wohl Hemden gekauft, die umgetauscht werden mussten. Sie fuhr nochmal los. Es regnete. Auf der Straße, wo sich der Unfall ereignete, war Kopfsteinpflaster, dazu Straßenbahnschienen. Der Wagen kam ins Schleudern und knallte gegen einen Baum. Meine Mutter wurde aus dem Auto geschnitten und mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht.

Im Jahr darauf kam mein zweiter Bruder zur Welt. Er war zwei Jahre alt und meine Mutter litt immer noch an den Unfallfolgen, als mein Vater 1977 auszog, einen Tag nach meinem Geburtstag.

Mein Vater hatte damals aber wohl schon seit zwei Jahren ein Verhältnis. Für meine Mutter war das ein Schlag ins Gesicht. Bevor ich als das erste von drei Kindern 1969 zur Welt kam, waren meine Eltern nach ihren Aussagen 7 Jahre verheiratet. Meine Mom sagt auch, sie hätte immer mitgearbeitet, um ihm das Studium zu finanzieren. Sie ist sehr verbittert und leidet noch heute unter der Scheidung. Meinem Vater hat sie letztlich die Ausbildung mitfinanziert und er ist gegangen, als er besser verdient hat. Dazu muss man wissen, dass Geld, Titel und Ansehen im Leben meiner Mutter eine wichtige Rolle spielen - das hat sie wohl von ihrem Vater so vermittelt bekommen.

Naja, die Scheidung wurde angestrengt, mein Vater sollte Unterhalt zahlen und meine Mutter wollte uns drei behalten. Damals wie heute eine sehr mutige Entscheidung, mit drei kleinen Kindern allein zu bleiben. Ich wurde vor Gericht gefragt, wo ich leben wollte - meine Brüder waren wohl noch zu klein, um selbst zu entscheiden.

Ich hab das damals gar nicht richtig begriffen und meinen Mom hat mir im Vorfeld eingebläut, dass ich sagen solle, ich würde bei ihr leben wollen. Dennoch fand ich die Situation ziemlich furchtbar. Ich wusste nicht, was diese Entscheidung zu bedeuten hatte und schon gar nicht, ob es richtig war, zu sagen, dass ich bei meiner Mutter leben wollte. Rückblickend wäre es für meine Entwicklung vielleicht besser gewesen, hätte ich mich gegen meine Mom und für meinen Vater entschieden. Aber das konnte ich damals schon gar nicht wissen.

Das Gericht bestimmte, dass mein Vater uns einmal im Monat am Sonntag den ganzen Tag zu sich holen dürfte/sollte. Das war eine Zeitlang sehr toll. Wir freuten uns immer sehr auf diesen Tag, weil wir immer ganz tolle Dinge mit ihm unternommen haben, in Freizeitparks gefahren sind oder ins Kino gegangen sind und so.

Und es gab immer nur leckere Dinge zu essen...Pommes und so. Er verwöhnte uns und gab sich Mühe, zumindest an diesem Tag ein guter Vater zu sein. Damit kam meine Mutter nicht so gut klar und heute kann ich das verstehen. Sie hatte den Alltag, die Schwierigkeiten mit uns und nie genug Geld. Er dagegen hatte immer nur Sonntagskinder, die sich nach bestem Wissen gut benahmen, weil sie wussten, dass sich das lohnte. Jedenfalls entwickelte meine Mutter einen regelrechten Hass auf meinen Vater, den sie über die Jahre noch gepflegt hat. Sie erzählte uns viel über ihn, aber eigentlich nie etwas Positives.


 

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