Theorie und Praxis

Ich weiß nicht, wie es Dir geht - aber ich bin total gut darin, zu wissen, was gut für mich ist. Zumindest in der Theorie. Und dann fängt´s schon an, schierig zu werden, denn in der Praxis gibts ganz viele Dinge, die ich dann doch nicht umsetze.

Der Weg ins Glück

Dies ist der Titel eines wunderbaren Buches von Bernard Benson. Ähnlich wie "Der kleine Prinz" mutet es auf den ersten Blick wie ein Kinderbuch an - vor allem auch wegen der optischen Gestaltung - aber das ist es nicht. Auf 160 Seiten beschreibt der Autor die Geschichte zweier kleiner Kinder, die sich eines Nachmittags auf den Weg machen, das Glück zu suchen. Dies hier ist der Anfang der Geschichte...ich möchte ihn Dir nicht vorenthalten, da er mich immer wieder an die wirklich wichtigen Dinge und deren Relation erinnert.

Das Seil und die Kette

Zwei kleine Kinder, die gerne alles Neue erforschten, verirrten sich im Wald und stiessen plötzlich auf einen geheimen Pfad, ganz grün und wunderbar, und da stand vor ihnen ein Schild mit der Aufschrift: Glück.

Sogleich begannen sie, diesen Pfad zu erkunden und nach einem längeren Stück Wegs kamen sie zu einem kleinen Haus.

Es wurde schon recht dunkel...und sie fürchteten sich ein wenig...so klopften sie ganz leise an! Ein alter Mann öffnete die Tür und sie wollten schon fortlaufen. Er schaute aber so nett drein, dass sie dablieben. Er bat sie, hereinzukommen und teilte seine Suppe mit Ihnen. Da fühlten sie sich gleich viel besser und als sie anfingen sich umzuschauen, sahen sie etwas sehr sonderbares. Von der Decke hing eine schwere Kette und daneben ein dickes Seil....und ringsum standen kleine Hocker.

"Wie seltsam, wie höchst seltsam..." dachten sie. Sie schauten hinauf, sie schauten hinunter, sie schauten ringsumher - aber sie wurden nicht schlau aus dieser Sache. So fragten sie einfach: "Verzeihen Sie, lieber Herr, aber was machen sie da?"

"Ich helfe den Leuten, Ihr Glück zu finden!"

"Oh, bitte zeigen sie uns, wie das geht, denn eben das suchen wir auch" sagten sie ganz zappelig vor Aufregung...

"Sehr gerne..:" sagte der Alte. "Das kann jeder lernen, er muss es nur wirklich wollen. Setzt Euch mal hin und schaut Euch das Seil und die Kette aufmerksam an ...vielleicht werden sie Euch etwas sagen."

Sie setzten sich also...und schauten...und schauten...aber nichts geschah... nichts! "Siehst Du etwas?" fragte eines. "Nein, nichts, gar nichts." sagte das andere.

"Nun schaut es Euch ein wenig näher an..." sagte der Alte...das taten sie dann und auf einmal bemerkten sie, dass auf jedem Glied der Kette und auf jedem Strang des Seils ein Wort stand, das etwas wichtiges besagte...

"Wir verstehen immer noch nicht!"

"Ich werde es Euch erklären..." sagte er freundlich. "Die meisten Erwachsenen machen einen entscheidenden Fehler...sie bilden in ihrem Geist eine Art Kette aus all den Dingen, die Ihnen wichtig zu ihrem Glück erscheinen...und wenn ein Glied bricht...und das geschieht recht oft...geht ihre ganze Kette in Stücke und all ihr Glück ist dahin! Und allein wegen eines Gliedes haben all die anderen Glieder ihren Wert verloren...dabei sind sie, jedes für sich, immer noch bestens!"

"Das ist wahr", sagten die Kinder, "genauso machen sie es!"

"Ja. Und dann braucht nur das geringste schiefzugehen, wie das jemand seinen Hausschlüssel verliert...und gleich könnte man meinen, die ganze Welt bräche zusammen!"

Da lachten sie alle!

"Aber was sollten die Leute dagegen tun?" fragten die Kinder. "Sie müssen lernen, Seile des Glücks zu knüpfen, so dass, wenn ein Strang reisst, das Seil zwar ein wenig schwächer wird, aber nicht gleich alles in Stücke geht."

"Das Ganze ist dann ja auch viel leichter zu reparieren!", sagte eines der Kinder. "Ganz richtig!" sagte der Alte. "Aber warum machen die Leute ihr ganzes Leben lang immer denselben Fehler?"

"Weil sie sich nie die Zeit nehmen, darüber nachzudenken", antwortete der Alte..."wenn sich die Bilder von der Kette und dem Seil aber erst einmal fest eingeprägt haben...sind sie nie mehr wieder dieselben."

"Es ist schön bei Ihnen!" sagten die Kinder, und der alte Mann lächelte...er gab ihnen eine Decke und sie rollten sich auf einem kleinen Teppich am Feuer zusammen und schliefen bis zum frühem Morgen.

Als sie sich am nächsten Tag zum Aufbruch bereitmachten, fragten sie den alten Mann..."Endet der Weg zum Glück hier?"

"Oh nein...ihr seid kaum erst am Anfang...ich habe an diesem Weg viele Freunde ....ihr müsst sie alle kennenlernen und wenn ihr dann am ende des Pfades angelangt seid, werdet ihr mehr über das Glück wissen, vergesst aber eins nie...

...etwas zu wissen, ist eine Sache. Aber danach zu leben...das ist wieder etwas ganz Anderes!"

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